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Rückschlag für MV’s ersten Cannabis-Club: 600 Pflanzen vernichtet
Kurz vor Weihnachten schien die Zukunft des Greifswalder Cannabis-Clubs „Sochill Green“ vielversprechend: Mehr als 600 Cannabis-Pflanzen wurden in den extra eingerichteten Anbauräumen eingesetzt. Doch die Euphorie hielt nicht lange – eine Infektion machte alle Hoffnungen zunichte.
Ein Traum, der zum Albtraum wurde
Der Vereinsgründer Marc Thalus und sein Team hatten monatelang auf diesen Moment hingearbeitet. Doch schon bald nach dem Einsetzen der Pflanzen wurde klar: Irgendetwas stimmt nicht. „Die Pflanzen hatten Blattläuse, und zusätzlich waren sie infiziert – womit genau, wissen wir bis heute nicht. Fakt ist: Die Stecklinge konnten keine Nährstoffe aufnehmen, was Wachstum und Qualität erheblich beeinträchtigt hat“, erklärt Thalus.
Der Schock war groß, denn der Verein hatte sich auf seinen Lieferanten verlassen. „Wir hatten eine Vorahnung, aber wir waren auch sprachlos. Der Händler hat uns im Stich gelassen.“
Zeitdruck und bittere Entscheidungen
Innerhalb weniger Tage war die Anbaufläche in den umgebauten Räumen am Stadtrand von Greifswald bepflanzt worden – alles in mühevoller Handarbeit. Doch der Zeitdruck hatte dazu geführt, dass die Schäden an den Wurzeln erst spät auffielen. „Wir hatten enormen Druck und wollten alles schnell fertig bekommen. Als wir die beschädigten Wurzeln entdeckten, war es schon zu spät“, erzählt Thalus.
Eine Untersuchung bei einer befreundeten Anbauvereinigung in Hamburg bestätigte schließlich den Verdacht: Die Stecklinge waren von Beginn an infiziert. Der Verein musste handeln. „Wir standen vor der Wahl, emotional oder wirtschaftlich zu denken. So schwer es auch fiel, wir mussten die Pflanzen vernichten.“
Neustart mit neuem Lieferanten
Innerhalb von Minuten wurden die Pflanzen aus der Erde geholt und entsorgt. Die Zusammenarbeit mit dem ursprünglichen Lieferanten wurde sofort beendet. Doch der Verein ließ sich nicht entmutigen: Noch in derselben Nacht wurde ein neuer Lieferant aus Österreich gefunden, und erneut wurden über 600 Stecklinge eingepflanzt.
Die Ernte verschiebt sich durch diesen Rückschlag allerdings um mehrere Wochen. Statt Ende Februar können die 201 Mitglieder des Clubs nun erst Mitte März mit ihrem Cannabis rechnen.
Finanzielle Verluste gering, Frustration hoch
Finanziell bleibt der Schaden begrenzt, da die infizierten Stecklinge kostenlos vom ursprünglichen Händler bereitgestellt wurden. Dennoch schmerzt der Verlust der investierten Zeit und Arbeit. „Die ganze Energie, die wir hier reingesteckt haben – die kriegen wir nicht zurück“, so Thalus.
Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg
Die infizierten Pflanzen sind nur eines von vielen Problemen, mit denen „Sochill Green“ zu kämpfen hat. Zunächst musste der Verein geeignete Räumlichkeiten finden, dann gab es Widerstand aus Teilen der Greifswalder Bevölkerung. Auch Lieferschwierigkeiten verzögerten den Anbau erheblich.
Zudem sorgt die politische Lage für Unsicherheit: Sollten CDU und CSU bei den nächsten Bundestagswahlen an die Macht kommen, könnte die Teillegalisierung von Cannabis zurückgenommen werden. Doch der Vereinsgründer bleibt optimistisch: „Unsere Lizenz gilt für sieben Jahre. Aufgeben ist keine Option. Der Club war mein Traum – jetzt ist er mein Leben.“
Ein Schritt nach vorn trotz Rückschlägen
Der Fall zeigt, wie herausfordernd der Weg zur Etablierung von Cannabis-Clubs in Deutschland ist.
Doch er macht auch Mut: Mit Durchhaltevermögen und Leidenschaft lassen sich selbst große Hindernisse überwinden.
Quellen:
– Cannabis-Clubs „Sochill Green“
– Lokale Medienberichte
Titelbild:
– Bild von Pfüderi auf Pixabay
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eMail: m.fischer@deutsches-hanfblatt.de
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