Bildnachweis: © Michal Jarmoluk/ Pixabay

Neue Studie: Medizinischer Cannabis ohne negative Auswirkungen auf Gehirn und Kognition

Neue Harvard-Studie zeigt: Regelmäßiger medizinischer Cannabiskonsum hat keine signifikanten negativen Auswirkungen auf Gehirnstruktur und kognitive Leistung bei Erwachsenen. Ergebnisse widerlegen langjährige Bedenken.
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Eine bahnbrechende Langzeitstudie, die kürzlich im renommierten Journal JAMA Network Open veröffentlicht wurde, liefert neue Erkenntnisse zur Sicherheit von medizinischem Cannabis. Die Forschungsarbeit, durchgeführt von Wissenschaftlern der Harvard Medical School und des McGovern Institute for Brain Research am Massachusetts Institute of Technology, zeigt, dass regelmäßiger medizinischer Cannabiskonsum bei Erwachsenen keine signifikanten negativen Auswirkungen auf die Gehirnmorphologie oder kognitive Leistungsfähigkeit hat.

 

Studiendesign und Methodik

Die Forscher verfolgten einen innovativen Ansatz, um die Auswirkungen von medizinischem Cannabis auf das Gehirn zu untersuchen:

– Rekrutierung von 57 neu zugelassenen medizinischen Cannabispatienten aus dem Großraum Boston
– Verwendung funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) zur Überwachung der Gehirnaktivität während verschiedener mentaler Aufgaben
– Erneute Gehirnscans nach einem Jahr regelmäßigen medizinischen Cannabiskonsums
– Vergleich der Daten mit einer Kontrollgruppe von Nicht-Konsumenten

 

Zentrale Ergebnisse

Die Studie lieferte mehrere bemerkenswerte Erkenntnisse:

1. Keine signifikanten Unterschiede in der Gehirnaktivierung zwischen Baseline und 1-Jahres-Follow-up bei medizinischen Cannabispatienten.

2. Kein Zusammenhang zwischen Veränderungen in der Cannabiskonsumhäufigkeit und der Gehirnaktivierung nach einem Jahr.

3. Arbeitsgedächtnis, Belohnungsverarbeitung und Inhibitionskontrolle zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede im Vergleich zur Baseline.

4. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Erwachsene, die Cannabis mit leichten bis mäßigen Konsummustern gegen Symptome wie Schmerz, Angst, Depression oder Schlafstörungen verwenden, nur wenige signifikante langfristige neuronale Veränderungen in den untersuchten kognitiven Bereichen erfahren.

 

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Einordnung der Ergebnisse

Diese Studie reiht sich in eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten ein, die die langfristigen Auswirkungen von Cannabis auf die Gehirnfunktion untersuchen. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Studien, die zu ähnlichen Schlussfolgerungen kamen:

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– Eine Studie der State University of New York Upstate Medical University fand sogar, dass nicht-medizinischer Cannabiskonsum mit einem um 96% verringerten Risiko für selbst berichteten kognitiven Abbau verbunden war.

– Frühere Forschungen haben gezeigt, dass medizinische Cannabispatienten im Laufe der Zeit sogar verbesserte exekutive Funktionen aufweisen können, möglicherweise aufgrund klinischer Verbesserungen ihrer Grunderkrankungen.

 

Implikationen für Patienten und Ärzte

Die Studienergebnisse könnten für Patienten, die medizinisches Cannabis in Betracht ziehen, beruhigend sein. Dr. Roger Wong, Mitautor einer verwandten Studie, betont jedoch die Notwendigkeit, den Grund für den Cannabiskonsum und die Konsummethode zu berücksichtigen, da verschiedene Chemikalien und Verbindungen in nicht-medizinischem und medizinischem Cannabis unterschiedliche Auswirkungen auf den kognitiven Abbau haben könnten.

 

Einschränkungen und zukünftige Forschung

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse weisen die Forscher auf einige Einschränkungen ihrer Studie hin:

– Die Stichprobe umfasste hauptsächlich leichte bis mäßige Cannabiskonsumenten.
– Weitere Studien sind erforderlich, um die Auswirkungen von höheren Dosen und häufigerer Anwendung zu untersuchen.
– Größere und diversere Kohorten sollten in zukünftigen Studien einbezogen werden.
– Die Auswirkungen auf jüngere Altersgruppen müssen noch genauer erforscht werden.

 

Fazit und Ausblick

Die Studie liefert wichtige neue Erkenntnisse zur Sicherheit von medizinischem Cannabis in Bezug auf Gehirnfunktion und kognitive Leistungsfähigkeit. Sie widerlegt langjährige Behauptungen, dass Cannabiskonsum einzigartig oder signifikant schädlich für das Gehirn sei.

Paul Armentano, stellvertretender Direktor von NORML, kommentierte die Studienergebnisse: „Diese Ergebnisse bestätigen, dass medizinischer Cannabiskonsum sowohl sicher als auch wirksam ist und widerlegen langjährige Behauptungen, dass Cannabisexposition entweder einzigartig oder signifikant schädlich für das Gehirn ist“.

Während diese Studie einen wichtigen Beitrag zur wachsenden Evidenzbasis für die Sicherheit von medizinischem Cannabis leistet, betonen die Forscher die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen. Zukünftige Studien sollten sich auf die Auswirkungen höherer Dosen, häufigeren Konsums und jüngerer Altersgruppen konzentrieren, um ein noch umfassenderes Bild der langfristigen Auswirkungen von medizinischem Cannabis zu erhalten.

Diese Forschung unterstreicht die Bedeutung evidenzbasierter Entscheidungen in der Cannabispolitik und -medizin. Sie liefert wertvolle Informationen für Patienten, Ärzte und politische Entscheidungsträger und trägt dazu bei, Stigmata und Fehlinformationen rund um den medizinischen Cannabiskonsum abzubauen.

DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.34354

Quelle: Journal of the American Medical Association (JAMA)
Bildnachweis: © Michal Jarmoluk | Pixabay



Links zum Artikel:
https://news.harvard.edu/gazette/story/2018/10/one-month-of-abstinence-from-cannabis-improves-memory-in-adolescents-young-adults/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34261553/
https://fortune.com/well/2024/04/19/marijuana-cannabis-use-cognitive-decline/
https://norml.org/blog/2024/09/19/study-sustained-use-of-medical-cannabis-is-not-associated-with-changes-in-either-brain-morphology-or-cognitive-performance/
https://www.marijuanamoment.net/marijuana-use-does-not-impact-working-memory-and-other-brain-processes-american-medical-association-study-finds/
https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/482744
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2823671
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2794988


Autor

Autor: Michael Fischer   
eMail: m.fischer@deutsches-hanfblatt.de

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