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Langer Tag des Hanfes 2024: Bekannter Jugendrichter incognito in Merseburg
Am 23. November 2024 fand an der Hochschule Merseburg der „Lange Tag des Hanfes“ statt, eine Veranstaltung, die sich intensiv mit der vielseitigen Nutzpflanze Hanf auseinandersetzte. Unter dem Motto „Raus aus der Kohle, rein in den Hanf“ bot die Veranstaltung einen tiefen Einblick in die aktuelle Forschung und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Hanf. Organisiert wurde der Aktionstag von der Forschungsgruppe „Bio-Rohstoffe“ der Hochschule Merseburg, die sowohl Experten als auch interessierte Laien einlud, um die breite Palette der Einsatzmöglichkeiten des Hanfes zu entdecken, aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und sich zu vernetzen.
Der „Lange Tag des Hanfes“ richtete sich an ein breites Publikum und bot eine Vielzahl von Vorträgen, Diskussionen und Workshops zu vier spannenden Themenbereichen: Cannabis in der Medizin, Hanf in der Bioökonomie, Gesundheit und Wohlbefinden sowie die Bedeutung des neuen Cannabisgesetzes im Alltag. Zusätzlich gab es einen „Marktplatz“ mit Verkaufs- und Infoständen sowie Köstlichkeiten mit Hanf, der die Veranstaltung abrundete.
Ein besonderer Gast war der bekannte Jugendrichter Andreas Müller aus Bernau bei Berlin, der eigentlich inkognito bleiben wollte. Müller, der für sein Engagement in der Cannabis-Debatte bekannt ist, kam nach Merseburg, um den Vortrag seiner ehemaligen Praktikantin und heutigen Strafverteidigerin Magdalena Markic zu verfolgen.
Die Teilnahme am „Langen Tag des Hanfes“ war kostenlos, jedoch wurde eine Anmeldung empfohlen. Für die Veranstaltung waren 6 CME-Fortbildungspunkte bei der Ärztekammer Sachsen-Anhalt beantragt, was die wissenschaftliche und medizinische Relevanz des Events unterstrich.
Vielfältige Themen rund um Hanf
Die Veranstaltung behandelte ein breites Spektrum an Themen:
– Cannabis in der Medizin: Aktuelle Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten
– Hanf in der Bioökonomie: Nachhaltige Nutzung als Rohstoff
– Gesundheit und Wohlbefinden: Potenziale von Hanfprodukten
– Das neue Cannabisgesetz: Auswirkungen und Bedeutung im Alltag
Experten und Interessierte hatten die Gelegenheit, sich in Vorträgen, Workshops und Diskussionen auszutauschen und zu vernetzen.
Rechtliche Aspekte und Polizei-Schikane
Ein wichtiger Aspekt der Veranstaltung war die Auseinandersetzung mit rechtlichen Fragen rund um Cannabis. Hier kam die Expertise von Strafverteidigerin Magdalena Markic zum Tragen, die über die „Ecken und Kanten des neuen Cannabis-Gesetzes“ referierte.
Magdalena Markic, die eine tiefe Freundschaft mit Richter Müller verbindet, ist bekannt für ihr Engagement im Strafrecht und ihre Philosophie, dass sich Mandanten nie hilflos oder eingeschüchtert fühlen sollten. Während ihres Vortrags berichtete sie von einer Polizei-Schikane, die möglicherweise zu einem Strafantrag führen könnte.
Das neue Cannabis-Gesetz, das am 1. April 2024 in Kraft trat, sieht vor, dass bestimmte Taten, die zuvor nach dem Betäubungsmittelgesetz strafbar waren, nun nicht mehr strafbar sind. Für vor diesem Datum verhängte rechtskräftige Strafen ist ein Straferlass vorgesehen. Das Gesetz zielt darauf ab, den Konsum von Cannabis zu entkriminalisieren und den Schwarzmarkt zu bekämpfen, um den Gesundheitsschutz zu verbessern und die organisierte Kriminalität einzudämmen.
Magdalena Markic, geboren 1991 in Gelsenkirchen, wuchs im Ruhrgebiet auf und absolvierte ihr Abitur am Heisenberg Gymnasium in Gladbeck. Danach zog sie nach Berlin, um Rechtswissenschaften an der Universität Potsdam zu studieren. Ihre Kanzlei ist insbesondere in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf tätig und arbeitet in Kooperation mit der Kanzlei „Weis und Partner Rechtsanwälte“.
Andreas Müller: Ein umstrittener Aktivist
Richter Andreas Müller, oft als „härtester Jugendrichter Deutschlands“ bezeichnet, ist eine kontroverse Figur in der deutschen Justiz. Er ist bekannt für seine harte Linie gegenüber jugendlichen Gewalttätern, aber auch für sein Engagement gegen die Cannabis-Prohibition.
Andreas Müller hat in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt, indem er die Verfassungsmäßigkeit der Cannabis-Gesetze in Frage stellte. Dies führte sogar zu einem Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder, der jedoch zunächst abgelehnt wurde.
Andreas Müller, geboren 1961 in Meppen, ist seit 1994 Richter und hat sich schon früh für eine Veränderung der Drogenpolitik eingesetzt. Er argumentiert, dass die Kriminalisierung von Cannabis negative Folgen hat und setzt sich vehement für die Legalisierung ein. In der ZDF-Talkshow Markus Lanz forderte er öffentlich die Legalisierung von Cannabis und hielt einen emotionalen Monolog, der selbst den Moderator kaum zu Wort kommen ließ.
Sein Engagement für die Cannabis-Legalisierung ist nicht nur theoretisch; Müller ist auch Vorstandsmitglied bei LEAP (Law Enforcement Against Prohibition) Deutschland und hat am Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen mitgearbeitet. Er sieht die geplante Cannabis-Freigabe als einen ersten Schritt in die richtige Richtung, um Konsumenten zu entkriminalisieren.
Andreas Müller hat seine Ansichten auch in seinem Buch „Kiffen und Kriminalität – Ein Jugendrichter zieht Bilanz“ dargelegt, in dem er mit der deutschen Drogenpolitik abrechnet. Er betont, dass die Prohibition nichts bringe und dass eine Legalisierung notwendig sei, um die Rechte der Cannabiskonsumenten zu schützen und die gescheiterte Prohibitionspolitik zu beenden.
Trotz seiner harten Linie gegenüber jugendlichen Gewalttätern ist Andreas Müller ein entschiedener Verfechter der Cannabis-Legalisierung und setzt sich seit Jahrzehnten für eine Änderung der Drogenpolitik ein.
Fazit
Der „Lange Tag des Hanfes“ an der Hochschule Merseburg bot eine Plattform für den wichtigen Diskurs über die Zukunft von Hanf und Cannabis in Deutschland. Die Veranstaltung, die am 23. November 2024 stattfand, zog Experten und Interessierte gleichermaßen an und bot eine Vielzahl von Vorträgen, Diskussionen und Workshops zu den Themen Medizin, Bioökonomie, Gesundheit und Cannabis im Alltag.
Die Anwesenheit von Persönlichkeiten wie dem bekannten Jugendrichter Andreas Müller und der Strafverteidigerin Magdalena Markic unterstrich die Bedeutung dieser Debatte, die weit über rein wissenschaftliche Aspekte hinausgeht und tief in gesellschaftliche und rechtliche Fragen hineinreicht. Andreas Müller, der inkognito an der Veranstaltung teilnahm, zeigte besonderes Interesse an den Ausführungen seiner ehemaligen Praktikantin Magdalena Markic, die über Polizei-Schikanen im Zusammenhang mit Cannabis berichtete.
Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, dass das Thema Hanf und Cannabis in Deutschland weiterhin kontrovers diskutiert wird und dass es noch viele offene Fragen gibt, die in den kommenden Jahren geklärt werden müssen. Hanf, als eine der ältesten und vielseitigsten Nutzpflanzen der Welt, erlebt derzeit eine Renaissance in verschiedenen Bereichen, darunter Medizin, Ernährung, Bauwesen, Textilien und Landwirtschaft. Die Diskussionen und Workshops boten wertvolle Einblicke in die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Hanf und die Herausforderungen, die mit seiner Nutzung verbunden sind.
Insgesamt war der „Lange Tag des Hanfes“ ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und zum Austausch über ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Veranstaltung bot eine Plattform für den Dialog zwischen Experten und der Öffentlichkeit und trug dazu bei, das Bewusstsein für die vielfältigen Potenziale von Hanf und Cannabis zu schärfen.
Quellen:
– Andreas Müller
– Magdalena Markic
– HS Merseburg
– MZ.de
Titelbild:
– Freepik
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