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Erster Cannabis-Club in Rheinhessen hat geerntet
Ausgabe an Mitglieder in wenigen Wochen
Der „Cannabis Social Club Rhoihesse“ in Wörrstadt (Kreis Alzey-Worms) hat als erste Anbauvereinigung in Rheinhessen Cannabis geerntet. Diese Ernte markiert einen Meilenstein für den Verein, der sich der legalen und gemeinschaftlichen Produktion von Cannabis verschrieben hat. Die erste Ausgabe an die Mitglieder soll Ende des Monats oder Anfang März erfolgen.
Erfolgreiche erste Ernte unter großem Arbeitsaufwand
Daniel Ehrlich, der im Club für den Anbau verantwortlich ist, berichtet von einer erfolgreichen Ernte, die jedoch mit unerwartet viel Arbeit verbunden war. „Es war deutlich mehr Arbeitsaufwand, als wir uns vorgestellt haben“, erklärt der 32-jährige IT-Spezialist. Ursprünglich habe das Team mit drei bis vier Stunden Erntezeit gerechnet, doch letztlich benötigten sie rund zwölf Stunden, um alle Pflanzen zu schneiden und zum Trocknen aufzuhängen.
Die genaue Erntemenge konnte Ehrlich noch nicht beziffern, da die Pflanzen nach dem Trocknen weiterverarbeitet werden müssen. Dennoch ist der Verein optimistisch, dass genügend Cannabis für die erste Verteilung an die Mitglieder vorhanden ist.
360 Pflanzen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Der Club betreibt drei gesicherte Anbauräume mit jeweils rund 120 Pflanzen. Diese Räume sind mit einem modernen elektronischen Schließsystem gesichert, um die gesetzlichen Auflagen einzuhalten. Darüber hinaus gibt es eine Alarmanlage sowie 16 Kameras, die das gesamte Gebäude überwachen und unbefugten Zutritt verhindern sollen.
Neben den Anbauräumen gibt es einen großen öffentlichen Bereich, in dem die Ausgabe des geernteten Cannabis an die Mitglieder stattfinden wird. Diese Struktur stellt sicher, dass alle Abläufe innerhalb des Clubs transparent und regelkonform ablaufen.
Mitgliederzahl wächst kontinuierlich – Beitragsmodell in Planung
Der „Cannabis Social Club Rhoihesse e.V.“ zählt mittlerweile etwa 170 aktive Mitglieder. Diese zahlen einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 10 Euro. Für den Erhalt von Cannabis werden jedoch noch zusätzliche Beitragsstufen eingeführt, die sich nach dem individuellen Konsumbedarf der Mitglieder richten.
„Wir arbeiten an einem fairen Modell, das es den Mitgliedern ermöglicht, ihre persönlichen Bedürfnisse zu decken, ohne dass es zu Missbrauch oder rechtlichen Problemen kommt“, erklärt Ehrlich. Eine transparente und faire Preisstruktur sei wichtig, um den langfristigen Betrieb des Clubs zu sichern.
Schneller Aufbau nach Genehmigung
Im September 2024 erhielt der Club seine Betriebserlaubnis vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung. Da der Anbau so schnell wie möglich starten musste, begann der Verein bereits während der laufenden Bauphase mit der Bepflanzung. „Wir mussten uns eingestehen, dass wir keine Zeit verlieren durften“, sagt Ehrlich. „Wir haben quasi in einer Baustelle angefangen, Cannabis anzubauen.“
Dank des großen Engagements der Vereinsmitglieder konnte der Betrieb dennoch planmäßig aufgenommen werden. Aktuell arbeitet der Club daran, die letzten Baumaßnahmen abzuschließen, um den Regelbetrieb ohne Einschränkungen starten zu können.
Zusammenarbeit mit der Stadt verläuft reibungslos
Die Kooperation mit der Stadt und der Verbandsgemeinde Wörrstadt verlief laut Ehrlich bislang sehr positiv. „Wir sind von Anfang an offen mit dem Thema umgegangen und haben nach der Klärung der rechtlichen Hürden direkt den Kontakt zum Bürgermeister gesucht“, berichtet er. Das Anliegen des Clubs sei gut angenommen worden, da es sich um eine regulierte und transparente Initiative handle.
Die Unterstützung der Stadt sei für den Club besonders wichtig, da viele Fragen zur rechtlichen Umsetzung von Social Clubs weiterhin bestehen. „Wir hoffen, dass sich durch unsere enge Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden ein Musterfall entwickelt, der auch anderen Clubs in Deutschland als Orientierung dienen kann.“
Politische Unsicherheiten bleiben
Die politische Diskussion über eine mögliche Rücknahme der Cannabis-Legalisierung beschäftigt auch den Verein. Ehrlich sieht die Forderungen der CDU/CSU, die Legalisierung wieder rückgängig zu machen, jedoch als populistische Rhetorik. „Wir glauben nicht, dass es eine vollständige Rückabwicklung geben wird. Selbst wenn es zu einer Regierungsänderung kommt, gibt es immer noch starke Befürworter innerhalb der politischen Landschaft.“
Auch auf mögliche regulatorische Verschärfungen sei der Club vorbereitet. „Wir dokumentieren alles genau, haben ein elektronisches Schließsystem, eine Alarmanlage und 16 Kameras rund um das Gebäude. Mehr kann man aktuell kaum tun, um die Vorschriften zu erfüllen“, sagt Ehrlich.
Fazit: Ein Meilenstein für Social Clubs in Deutschland
Der „Cannabis Social Club Rhoihesse“ hat mit der ersten erfolgreichen Ernte einen bedeutenden Schritt gemacht. Die Mitglieder können sich bald über die erste Verteilung freuen, während der Club weiterhin an seiner Infrastruktur und seinem Geschäftsmodell arbeitet. Die politische Zukunft bleibt zwar ungewiss, doch durch eine professionelle Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben sieht sich der Club gut gerüstet für kommende Herausforderungen.
Quelle:
– SWR.de
– Cannabis Social Club Rhoihesse
Titelbild:
– Freepik
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